ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

 

Die Grundidee für dieses Projekt entstand in der Nacht, in der die kleine Farousha starb.

Montag Morgen, SMS Saitoti:
Guten Morgen. Ich kann heute nicht zur Arbeit kommen, meine Tochter ist im Krankenhaus.

Dienstag Morgen, Saitoti schreibt:
Guten Morgen, meiner Tochter geht es besser. Wir können wahrscheinlich später nach Hause.

Dienstag Nachmittag, SMS Saitoti:
Meine Tochter ist in der Intensivstation. Kannst du mir 40.000 Schilling (ca. 20 EUR) leihen?

Wir machen uns auf den Weg zum etwa eine Stunde Fahrt entfernten Krankenhaus, wissend um die schlechten medizinischen Verhältnisse dort. Aufgrund einiger Missverständnisse und mangelnder Ortskenntnisse wird es kurz nach fünf Uhr bis wir ankommen. Dort treffen wir unseren Mitarbeiter und seine Frau, beide völlig aufgelöst. Wir fragen die Krankenschwester nach dem behandelnden Arzt. Es ist kein Arzt da. Auf Frage, ob der behandelnde Arzt wenigstens telefonisch zu sprechen sei, wehrt sie ab und weigert sich zunächst hartnäckig, eine Telefonnummer herauszugeben. Ebenso verweigert sie Auskünfte über die Erkrankung des Kindes und die Art der Behandlung. Hierzu sei nur ein Arzt befugt. Erst auf massives Drängen nennt sie schließlich den Namen eines Arztes. Den Namen eines uns bekannten, guten Kinderarztes, der auch unsere Kinder bei Bedarf behandelt.

Daher wissen wir allerdings auch, dass er zu jenem Zeitpunkt in den USA weilt und das kleine Mädchen keinesfalls behandelt haben kann. Die Krankenschwester hat gelogen. Daraufhin kontaktieren wir einen anderen, uns ebenfalls persönlich bekannten Arzt und erklären ihm die Situation und dass wir für das kleine Mädchen eine medizinische Evakuierung nach Nairobi möchten. Er verspricht uns, herauszufinden, wer der behandelnde Arzt ist. Eine Weile später ruft er zurück, sagt, er habe den Arzt gesprochen. Es sei ein sehr guter Arzt. Dieser habe ihm erklärt, eine Verlegung in eines der anderen mit Krankenwagen erreichbaren Krankenhäuser mache keinen Sinn, da man dort auch nicht mehr Möglichkeiten habe, und außerdem habe er versichert, der Zustand des Mädchens sei ausreichend stabil, um mit der medizinischen Evakuierung bis zum nächsten Morgen zu warten. Zudem sei es ohnehin schon zu spät, um die Flying Doctors um Hilfe zu bitten. Dieser Service sei erst am nächsten Morgen wieder verfügbar. Sie fliegen nur bei Tageslicht. Notgedrungen geben wir uns mit dieser Angabe zufrieden, lassen unserem Mitarbeiter ausreichend Geld da, damit er am nächsten Morgen die Flying Doctors bezahlen kann.

Als wir gehen, liegt Farousha in ihrem Bettchen. Sie ist winzig klein, zu klein für ihr Alter. Auf dem Kopf hat sie eine kleine weiße Wollmütze. Schläuche gehen in ihre Nase und ihren Arm. Sie zittert am ganzen Körper, ringt um jeden Atemzug.

Mittwoch Morgen, 4.30 Uhr, Saitoti schreibt:
Guten Morgen, unser Baby ist gestorben.

Farousha ist nur 7 Monate alt geworden. Gescheitert an den Verhältnissen in diesem Land. Verhältnissen, zu deren Verbesserung jeder beitragen kann, um Kindern wie der kleinen Farousha eine faire Chance auf ein menschenwürdiges Leben oder Leben überhaupt zu geben.